Jahrgang 2017

Klimawandel und Weinbau: Zerreißprobe für den Jahrgang 2017

·      Der Klimawandel wird immer deutlicher spürbar, Wetterextreme treten von Jahr zu Jahr häufiger auf und stellen eine zunehmende Herausforderung für den Weinbau dar.

·      Warme Temperaturen im März, Spätfrost im April, Trockenheit im Juli, Starkregen im August und schließlich im Herbst 2017 die früheste Riesling-Lese in der Geschichte.

·      Die Weine weisen eine hohe Mineralität auf und sind von vielversprechender Qualität. Die Erntemenge ist jedoch nochmals niedriger als in den Vorjahren.

Trier, 04. Dezember 2017 – Nach einem ungewöhnlich milden März überraschten Ende April und Anfang Mai mit einem erneuten Kälteeinbruch. Der plötzliche Spätfrost verursachte erhebliche Schäden an den Reben. In manchen der berühmtesten und besten Weinlagen der Bischöflichen Weingüter Trier erfror nahezu die Hälfte der jungen Triebe. „Schon zu Beginn der Saison mussten wir von ernsthaften Ernteeinbußen ausgehen, was kein erfreulicher Start in das Jahr war“, unterstreicht Dr. Kasten Weyand, Güterdirektor der Bischöflichen Weingüter Trier. Auf den Kälteeinbruch folgte eine mehrere Wochen anhaltende Trockenphase. Im Juli wurde es endlich regenreicher, jedoch gehörten auch Hagel, Starkregen, Sturm und Unwetter zu den unschönen Nebenerscheinungen. Feuchtes, warmes Wetter prägte den August, was einen auffallend frühen Lesebeginn Mitte September zur Folge hatte.

Am 15. September fiel der Startschuss mit der Lese des Frühburgunders, dessen Ertrag zwar gering, aber ausreichend ausfiel. Vom 16. bis 21. September erfolgte die Lese des Pinot Noirs und des Saint Laurent. „Durch die selektive Lese per Hand konnten wir qualitativ sehr gute Trauben einfahren. Nach eingehender Prüfung waren wir uns aber einig, dass der Reifegrad und das Farbspiel der Rotweintrauben nicht unseren Ansprüchen genügen, um sie zu erstklassigen Rotweinen reifen zu lassen“, erklärt Johannes Becker, Oenologe und Kellermeister. So fiel die Entscheidung, den Most dieser Sorten für Rosé einzulagern, der weniger voluminöse Trauben benötigt, um eine Spitzenqualität zu erreichen. In einer dritten Phase, vom 21. bis 30. September, erfolgte die Lese des Weißburgunders, die sowohl qualitativ als auch in der Menge sehr gut ausfiel.

Strategie für den Klimawandel

Nach dem turbulenten Jahr, das von Frost, Trockenheit, schwüler Hitze und Starkregen alle Wetterextreme gesehen hatte, musste bei der Ernte des empfindlichen Rieslings ab der letzten Dekade des Septembers vom Schlimmsten ausgegangen werden. Doch viel Regen kann auch sein Gutes haben, bekräftigt Stephan Bigus, Gutsverwalter der Bischöflichen Weingüter Trier: „Terroir und Mineralität werden beim Jahrgang 2017 deutlich zum Ausdruck kommen, denn die Reben haben die Mineralstoffe klimatisch bedingt besonders gut über die Wurzeln aufnehmen können.“

 Die Sub-Regionen des Anbaugebietes Mosel wurden von den Wetterkapriolen in 2017 unterschiedlich stark getroffen: An der Mittelmosel und an der Saar lag die Erntemenge nur leicht unter dem Durchschnitt, die Qualität des Mosts ist sehr gut. An der Ruwer waren die quantitativen Einbußen deutlich größer. „Wir wissen, dass wir uns in Zukunft verstärkt auf Wetterextreme einstellen müssen. Wir erarbeiten seit einigen Jahren Strategien, um unsere Anbaumethoden und den Ausbau von Riesling und Burgunder nachhaltig an den Klimawandel anzupassen“, sagt Dr. Karsten Weyand.

Hohe Qualität trotz geringer Mengen

Wie zu erwarten fiel die Rieslinglese mengenmäßig zwar geringer als in den Vorjahren aus, doch je länger die Ernte andauerte, desto besser wurde die Qualität der Trauben aufgrund des ab dann anhaltend guten Wetters. „Vom trockenen Gutsriesling über lagentypische Orts- und Einzellagenweine unserer besten Lagen entlang von Mosel, Saar und Ruwer bis hin zu herausragenden edelsüßen Beeren- und Trockenbeerenauslesen wird im Jahrgang 2017 alles vertreten sein“, betont Alexander Jelen, Vertriebs- und Marketingleiter.

Nach mehr als sechs Wochen Gärung zeigen sich die werdenden Weine fruchtig und klar mit viel Finesse und Eleganz. Die hohen Extraktwerte des Jahrgangs 2017 geben viel Struktur und Länge. Beim Großteil der eingelagerten Weine wird eine Spontanvergärung angestrebt, die in der Regel bis ins neue Jahr andauern wird. Der Jahrgang 2017 hat viel Potential und wird über eine lange Haltbarkeit verfügen. Einen ähnlich hohen Anteil an Spät- und Auslesen gab es das letzte Mal 2011. Die diesjährigen Beerenauslesen stammen aus der Ayler Kupp, dem Kaseler Nies‘chen und dem Scharzhofberg, die Trockenbeerenauslesen aus der Ayler Kupp, dem Dhroner Hofberger und dem Scharzhofberg.


 

Über die Bischöflichen Weingüter Trier und das Weingut Friedrich-Wilhelm-Gymnasium

Die Bischöflichen Weingüter Trier bewirtschaften rund 100 Hektar Weinberge. Sie gehen auf den Zusammenschluss von drei bedeutenden, jahrhundertealten Weingütern im Jahr 1966 zurück: das Weingut des Bischöflichen Konvikts Trier, das Weingut des Bischöflichen Priesterseminars Trier und das Weingut der Hohen Domkirche Trier. Seit 2004 gehört auch das 30 Hektar große Weingut Friedrich-Wilhelm-Gymnasium zum Besitz der Bischöflichen Weingüter Trier, welches als eigenständige Marke geführt wird. Die Weingüter sind gemeinsam somit mit 130 Hektar Rebfläche an Mosel, Saar und Ruwer in zahlreichen Spitzenlagen vertreten. Der Schwerpunkt liegt mit über 90 Prozent auf dem Riesling. Die Trauben werden auf dem Scharzhof an der Saar und auf dem Duisburger Hof an der Ruwer gekeltert. Der Ausbau der Weine erfolgt mitten in Trier in den bis in die Römerzeit zurückreichenden weitläufigen Kellergewölben.